Der sofortige Abriss des HaK konnte in letzter Minute verhindert werden

Der Tag der Gerichtsverhandlung um die Zukunft des selbstverwalteten Jugendkulturzentrums Hotel am Kalkberg (HaK) naht und die Ereignisse überschlagen sich. Nachdem die Bad Segeberger Stadtvertreterversammlung mit nur einer Gegenstimme die sofortige Räumung und den anschließenden Abriss beschlossen hat, wendet sich jetzt noch einmal das Blatt und so bleibt es die Entscheidung des Landesgerichtes in Kiel am 19. Juli abzuwarten.

Hier ein kurzer Bericht aus der örtlichen Presse:

Gnadenfrist fürs HaK: Endgültige Entscheidung fällt erst am 19. Juli

Bad Segeberg – Das marode Hotel am Kalkberg (HaK) hat noch eine Gnadenfrist bekommen. Nachdem die Bad Segeberger Stadtvertretung kürzlich fast einstimmig, bei nur einer Gegenstimme von Kirsten Tödt (SPD), ohne jede Debatte sekundenschnell dafür gestimmt hat, das Gebäude zwangsweise zu räumen und abzureißen, gibt es wieder eine neue Kehrtwende: Überraschenderweise hat Magret Bonin, eine hartnäckige Verfechterin der Initiative zum Erhalt eines selbstverwalteten Jugendzentrums, die Sicherheitsleistung von 15.000 Euro aus ihrer Privatkasse übernommen – damit das schon bestehende Amtsgerichtsurteil nicht vollstreckt werden kann. Eine riskante Investition der Kämpferin für das HaK. Denn wenn die Stadt den Prozess gewinnt und nachweisen kann, dass sie durch die Verzögerung geschädigt worden sei, könnte es teuer für Magret Bonin werden. Dann hätte die Stadt Zugriff auf ihr Geld.

Für den Wahlstedter Rechtsanwalt Ulrich von Coler, der die HaK-Jugendlichen vertritt, ist völlig unbegreiflich, dass jetzt kurz vor dem Termin beim Landgericht Kiel – am 19. Juli – noch vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen. „Da kann man doch seitens der Stadt ruhig abwarten, was die beim Landgericht sagen. Da muss man doch jetzt nicht mit der Brechstange kommen.“ Wie zahlreich berichtet, hatte die Stadt dem HaK-Trägerverein nach zahlreichen Streitigkeiten zu Ende 2010 den Mietvertrag gekündigt und die Leitungen in das marode städtische Haus gekappt. Die jungen Leute verweigerten die Rückgabe der Schlüssel, es wurde seitens der Stadt auf Räumung geklagt, die „HaKis“ antworteten mit einer Gegenklage. Doch der Amtsrichter gab der Stadt Recht, der Trägerverein ging in Berufung vor das Landgericht Kiel.

Bürgermeister Dieter Schönfeld hat vorgehabt, den Abriss der Obdachlosenunterkunft „Villa Menke“ und des Hotels am Kalkberg gemeinsam auszuschreiben. Die beiden Gebäude sind nicht weit voneinander entfernt, das könnte Kosten sparen. Mit Sicherheit sei nicht geplant gewesen, in den nächsten Tagen und Wochen abzureißen, beteuerte er gegenüber der LN.

„Wir pochen nicht auf das Gebäude, aber wir benötigen eine Alternative für die Jugend. Jetzt warten wir erst ab, wie das Landgericht entscheidet“, erklärte Goothje Mommsen vom HaK-Vorstand. Magret Bonin hat per „Blitzüberweisung“ an die Landeskasse ihr Erspartes geschickt. Sie habe schon Hoffnung, die 15.000 Euro zurückzubekommen, sagt sie der LN. „Wenn der Bürgermeister möglichst schnell mit dem Bagger kommen möchte, hat er wohl Angst, dass es für ihn beim Landgericht nicht gut ausgehen wird.“

Quelle: Lübecker Nachrichten vom 26. Juni 2012