Archiv für September 2012

Räumungsklage: Entscheidung vor dem Landgericht

Am Donnerstag den 27. September wurde vor der 10. Zivilkammer des Kieler Landgerichts über die Zukunft des selbstverwalteten Jugendkulturzentrums Hotel am Kalkberg (HaK) entschieden.

Nachdem sich am Morgen einige Dutzend HaK-Aktive und UnterstützerInnen am Kieler Hauptbahnhof versammelt haben, zogen sie in einer bunten und friedlichen Demonstration mit lauter Musik und viele von Ihnen als Superhelden verkleidet zum Landgericht.

Das Motto der Demonstration war:

„Superstark für Freiräume – Keine Stadt ohne Kulturzentrum!“

Trotz des sehr ernsten Anlasses ließen es sich die jungen Leute nicht nehmen sich auf diese phantasievolle Art und Weise für ihr Anliegen einzusetzen.

Um 11.00 Uhr begann der Prozess um die Räumungsklage der Stadt Bad Segeberg gegen den Trägerverein des HaK´s (Interessengemeinschaft Selbstverwaltete Jugend in Segeberg e.V.) unter Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Ulrike Hillmann.

Dieser hatte gegen die Räumungsklage der Stadt eine Widerklage eingereicht und die Kündigung des Nutzungsvertrages um das HaK-Gebäude in der Segeberger Altstadt für unzulässig erklärt. Die Begründung dafür war unter anderem dass der Kinder- und Jugendbeirat in diese Entscheidung nicht mit einbezogen worden ist und somit die demokratische Legitimation fehlt. Außerdem wurde bei der Kündigung des Nutzungsvertrages Anfang 2009 von der Segeberger Stadtvertretung der politische Auftrag gegeben, dass spätestens zum 01. Januar 2011 ein neuer Vertrag mit dem Trägerverein ausgehandelt werden soll. Dieser Auftrag wurde nicht erfüllt, denn es fanden keine Verhandlungen dieser Art statt. Und das obwohl die Jugendlichen, verhandlungsberechtigte VerteterInnen der Stadt mehrfach mündlich und zum Glück auch schriftlich und rechtzeitig dazu aufgefordert haben.

Die Landgerichtspräsidentin sah das leider anders. Ihrer Ansicht nach spielt es keine Rolle ob der Kinder- und Jugendbeirat in die Entscheidung mit einbezogen worden ist. Genauso wenig ob es die von der Stadtvertretung geforderten Verhandlungen über einen neuen Nutzungsvertrag mit dem HaK-Trägerverein gegeben hat oder nicht.

Damit ist die Widerklage in letzter Instanz gescheitert und die Stadt Bad Segeberg hat nun die rechtliche Möglichkeit das Gebäude fristgerecht zu räumen und Zitat Segeberger Zeitung: „dem Erdboden gleich zu machen“.

Damit geht die lange und ereignisreiche Geschichte des Hotels am Kalkberg zu Ende. Denn dieses Gebäude ist nicht nur als Jugendkulturzentrum, sondern auch historisch von Bedeutung und müsste allein schon aus denkmalschutztechnischen Gründen erhalten bleiben.

Eine Politik der Verdrängung (Exklusion) und des kulturellen Kahlschlags hat sich nun die rechtliche Legitimation geholt, einen weiteren Ort selbstbestimmten Denkens und Handels zu zerstören und so die Perspektivlosigkeit und Resignation unter jungen Menschen zu verstärken.

Diese Politik wird katastrophale Folgen haben. Sehen wir uns Städte an, wo es kaum oder gar keine niedrigschwelligen und unkommerziellen Angebote (Skateranlage, Jugendzentrum, legale Gaffitiflächen, etc.) für Jugendliche gibt. Hier macht sich schnell Frust und Verzweiflung breit. Die Flucht in virtuelle Welten, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Vandalismus, Vereinzelung und das Abwandern in kriminelle oder rechtsextremistische Gruppen, werden dann im stärkeren Maße zunehmen. Streetworker, Entzugskliniken, Polizeipräsenz und Sachbeschädigungen kosten Geld. Geld dass man lieber in die Jugendarbeit hätte stecken können. Leider wird den Damen und Herren in der Politik so was immer erst dann klar, wenn es zu spät ist. Meistens jedoch nie.

Selbstverständlich werden die Aktiven Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus dem HaK ihr Engagement für einen Freiraum in Bad Segeberg fortsetzen.

Denn sie können ein Gebäude zerstören, nicht aber die
Idee von Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit!

HaK will never die!!!

Soli-Erklärung der FAU Kiel

Für etwas Besseres als Dorfdissen, rassistische Stadtfeste und langweiliges Kirchplatz-Rumgehänge! Unkommerzielle Kultur gegen dubiose lokalpolitische Kommerzinteressen verteidigen!

Jedes Jahr lockt der Kalkberg Millionen BesucherInnen in das 16.000 Seelenstädtchen Bad Segeberg im Niemannsland zwischen Kiel, Hamburg und Lübeck. Immer wieder reitet und rettet Häuptling Winnetou die Betrogenen und Verkauften vor profitgeilen Ölmagnaten, skrupellosen Banditen und machtbesessenen Generälen. In seiner Abwesenheit macht die Betreibergesellschaft der Kalkberg-Arena Reibach mit Konzerten von Matthias Reim und Peter Maffay. In den Augen der Stadt Bad Segeberg ist der Kalkberg ein reiner Berg aus Gold.

Vor über zehn Jahren aber passierte ES: Direkt am Fuße dieses Ortes kommerzieller Event-Kultur wurde aus einem leerstehenden und vom Verfall bedrohten Hotelgebäude ein Kleinod unkommerzieller Gegenkultur gestampft. Das „Hotel am Kalkberg“ (HaK) wurde als Location qualitativ hochwertiger HipHop-Abende, Punkrockkonzerte, Filmvorführungen, Gedichtswettbewerbe sowie politischer und gewerkschaftlicher Organisierung von unten über die Stadtgrenzen hinaus bekannt – und somit auch als BürgerInnenschreck. Zunächst noch respektvoll und auf Augenhöhe von der städtischen Politik behandelt, fuhr die Stadt Bad Segeberg spätestens mit der Bürgermeisterschaft Dieter Schönfelds (SPD) sämtliche propagandistischen und juristischen Geschütze gegen diesen selbstorganisierten Gegenentwurf zur Goldgrube Kalkberg-Arena auf. Die Stimmungsmache im Jahr 2009 gegen die damals im HaK vertretene FAU Bad Segeberg (heute Teil der FAU Kiel) ist dabei nur ein haarsträubendes Beispiel von vielen. Vor allem lieferte die Politik ein Paradebeispiel für den Einsatz von „Runden Tischen“ als Mittel der Durchsetzung ihrer eigenen Meinung und Interessen: Als kommunikatives Angebot proklamiert, gingen von diesem Medium Anklage und Verleumdung gegen das HaK aus.

Während Stadt und Lokalpresse jeden noch so kleinen Vorfall rund um Veranstaltungen im HaK zum Anlass nahmen, die öffentliche Meinung gegen die aktiven Jugendlichen aufzuhetzen, stören sie sich nicht an Sauf- und Prügelorgien im Rahmen stupider Popmusik-Beschallung durch die örtliche Disko „Antik-Schuppen“. Jedes Wochenende wird die Segeberger Innenstadt von perspektivlosen und angeödeten Jugendlichen heimgesucht, die die provinzielle Tristesse in der Stadt im Alkohol ertränken und sich gröhlend dem dumpfen Gedudel musikalischer Einfältigkeit aus dem Repertoir von RSH bis Energy hingeben. Ebenso wenig Probleme haben Politik und Presse mit rassistischen Security-Kontrollen auf dem „Segeberger Stadtfest“ und verkünden voller Stolz den abermaligen Auftritt der so genannten Oldie-Spaßband „Die Melker“ aus Norderstedt als Eröffnungsband, die sodann mit Liedtexten aufwartet wie „Wir fahren mit den Ossis nach Polen, die Autos zurückholen“ oder „Deutschland lässt ja jeden Penner rein“.

Die FAU Kiel identifiziert sich mit dem selbstorganisierten Charakter der AktivistInnen des Hotels am Kalkberg. Als Gewerkschaft sind uns darüber hinaus Orte enorm wichtig, an denen auch arbeitslose oder prekär beschäftigte Jugendliche untangiert von den Profitinteressen kommerzieller Freizeitunternehmen die Möglichkeit haben, ihre Zeit zu gestalten. Das Interesse am Immobiliengeschäft mit dem Grundstück des HaK von Seiten des als Pleitebürgermeister nicht gerade populären SPD Politikers Schönfeld sehen wir als einen Angriff auf die materiellen und ideellen Lebensbedingungen der betroffenen Jugendlichen, bedingt durch Profitsucht und städtische Habgier. Die Lage an der goldenen Melkkuh Kalkberg macht aus dem Grundstück des HaK ein Filetstück in den Augen von InvestorInnen und Lokalpolitik – und vor diesem Hintergrund sind Argumente wie das des „Lärmschutzes“ (in unmittelbarer Nähe zum Getöse der Kalkberg-Arena!) von Seiten der Stadt nur all zu leicht als verlogen und vorgeschoben zu durchschauen.

Freie ArbeiterInnen Union (FAU) Kiel

10.10.2012: Emma Goldman – Lesung in der Olive

Emma Goldmann: „Gelebtes Leben“

Die Autobiographie wird am 10. Oktober 2012 in einer szenischen Lesung von der Übersetzerin und Schauspielerin Marlen Breitinger in der Olive, Oldesloer Straße 53 in Bad Segeberg vorgetellt.

»Das gut 900seitige Werk ist eine erstaunlich aufregende Lektüre. Das liegt nicht nur daran, dass das Leben Emma Goldmans über die Jahrzehnte und Kontinente hinweg überaus aktiv und ereignisreich war (…). Es ist auch dem Tonfall geschuldet, in dem Emma Goldman dies alles beschreibt: der leidenschaftlichen, gleichsam atemlosen Getriebenheit, die sich durch die Seiten zieht, und die einen hineinzieht in das Entsetzen, die Entrüstung, das Engagement der Autorin.« (Catherine Newmark, Deutschlandradio)

Emma Goldman (1869–1940), Anarchistin, Revolutionärin, Agitatorin, Frauenrechtlerin, beschreibt ihr ungewöhnliches, aufregendes Leben. Sie ist Sigmund Freud, Peter Kropotkin, Ernest Hemingway und Lenin begegnet, hat sich gegen die Wehrpflicht eingesetzt und für die Rechte der Arbeiter, der Frauen und Kinder und für die freie Liebe gekämpft. »Gelebtes Leben« ist das Zeugnis einer kämpferischen, unabhängigen Frau.

Emma Goldman, »die rote Emma«, war zu ihren Lebzeiten eine gleichermaßen verehrte wie gefürchtete Symbolfigur des Anarchismus. Sie wurde bekannt durch ihre Schriften, ihre Reden und ihre engagierten Kampagnen für die Rechte der Arbeiter, für Geburtenkontrolle, gegen die Wehrpflicht und für die Friedensbewegung.

1886 war sie im Alter von siebzehn Jahren aus Russland in die USA emigriert. Durch die Hinrichtung der Aufständischen vom Chicagoer Haymarket und die Begegnung mit Johann Most politisiert, erkannte sie bald ihr großes rhetorisches Talent. Sie setzte es bei Vorträgen und Agitationsveranstaltungen ein, wo sie für verschiedenste Belange der Arbeiter und der Unterdrückten kämpfte. Sie wurde mehrere Male zu Gefängnisstrafen verurteilt und Ende 1919, im Zuge der Anarchistenhetze und der Kriegsbegeisterung in der Gesellschaft, nach Russland deportiert, wo sie Zeugin der Auswirkungen der Russischen Revolution wurde. Enttäuscht von der diktatorischen Herrschaft der Bolschewiki, verbrachte sie einige Jahre in Frankreich, wo sie in den zwanziger Jahren ihre Autobiografie verfasste. 1936 nahm sie am Spanischen Bürgerkrieg teil. 1940 starb sie in Toronto. 2010 jährte sich Emma Goldmans Todestag (14. Mai 1940) zum 70. Mal.

Emma Goldman – Gelebtes Leben (Autobiografie)

Erschienen im Edition Nautilus Verlag

Überarbeitete Neuausgabe – Mit einem Vorwort von Ilija Trojanow

Aus dem Englischen übersetzt von Marlen Breitinger, Renate Orywa und Sabine Vetter, überarbeitet und mit einer Chronik versehen von Tina Petersen. Gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen, Großformat, 944 Seiten, reichhaltig illustriert, 34,90 €, ISBN 978-3-89401-731-6

27.09.2012: Superstark für Freiräume!

Die Mächte der Finsternis haben sich vereint um die selbstverwaltete Jugendkultur aus der kleinen Stadt Bad Segeberg endgültig zu vertreiben.

Doch autonome SuperheldInnen aus mehreren Städten haben sich zusammen getan um bunt, lautstark und gut gelaunt kreativen Widerstand zu leisten.

Kommt am 27. September zur HaK-Demo nach Kiel.
Wir treffen uns um 09.30 Uhr am Hauptbahnhof.
Die Demo beginnt um 10.00 Uhr.

Die am coolsten Verkleideten erhalten eine kleine Überraschung!

Rettet das HaK! Rettet die Welt!

The Kids are united!!!

13.09.2012: Bundeskongress Soziale Arbeit

Der Bundeskongress Soziale Arbeit tagt vom 13.-15. Sept. in Hamburg. Organisiert und verwirklicht von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Neben Arbeitsgruppen, Vorträgen und Kulturprogramm gibt es auch eine Podiumsdiskussion „Umsteuerung im Spannungsfeld von Exklusion und Inklusion“ zu der 5 ReferentInnen aus ganz Deutschland eingeladen worden sind. Unter Anderem wird auch jemand vom HaK das Jugendzentrum vorstellen um ein praktisches Beispiel zu liefern.

Wir sind persönlich vor einiger Zeit angesprochen worden, ob wir die Diskussion durch unsere praktischen Erfahrungen bereichern wollen.

Das ist natürlich eine große Ehre und wir würden uns freuen, wenn ihr auch am kommenden Freitag um 9.30 Uhr (bis 11Uhr), in der HAW Berliner Tor 5, 20099 Hamburg, im Publikum sitzen würdet.

Hier der Link, auch wichtig für Kongressgebühren:

Bundeskongress Soziale Arbeit 2012