Was passierte am Tag der HaK-Räumung?

Wir wurden verjagt! Es wurde uns unser Haus genommen! Jetzt sollen wir mit ansehen, wie unser Jugendkulturzentrum „Hotel am Kalkberg“ abgerissen wird. Wir sind entsetzt, unglaublich traurig und sehr sehr wütend.

Jahrelanges ehrenamtliches Engagement von Jugendlichen wurde am 1.11.2012 durch den Bürgermeister Dieter Schönfeld erschreckend beendet und das HaK geräumt. Bis zuletzt haben wir versucht das alte Bauernhaus als Ort der Kultur und Vielfalt zu erhalten.

Das HaK besteht als selbstverwaltetes Zentrum seit 2000. Es war ein Freiraum für Jugendliche, ein Raum für Kultur, Kunst und Politik mit unkommerziellen, basisdemokratischen Grundsätzen. Viele Gruppen haben sich im HaK getroffen und sowohl ihre Freizeit, als auch ihr Zusammenleben gestaltet. Hier haben wir uns wohlgefühlt und gelernt Verantwortung für das Haus und füreinander zu übernehmen.

All die Jahre haben wir quasi ohne finanzielle Unterstützung der Stadt ein Kulturprogramm, Bildungsveranstaltungen, eine Bibliothek, eine Werkstatt, und Räume für Initiativen angeboten. Es war nicht immer leicht, aber wir haben es gern gemacht.

Bis andere Menschen entschieden haben,
dass es das HaK nicht mehr geben soll.

Bis zuletzt haben wir, die Nutzer_innen und Freund_innen des HAK, Anwohner_innen, Denkmalschützer_innen, eine Mütter-Initiative, der Dachverband Soziokultureller Zentren, das Freiraum-Plenum Schleswig-Holstein, unser Anwalt, der ehemalige Bürgermeister von Bad Segeberg, Peter Maffay und viele engagierte Bürger_innen der Stadt versucht, das alte Bauernhaus als Ort der Kultur und der Vielfalt zu erhalten. Teile des Gebäudes sind älter als die geschichtliche Kartierung der Stadt Bad Segeberg, vermutlich 350 Jahre. Doch nichts konnte den Bürgermeister von dem kulturfeindlichen Ansinnen abbringen, das Jugendkulturzentrum in Bad Segeberg abzureißen.

Als bekannt wurde, dass unser Haus bedroht ist, haben sich viele Menschen von überall her mit uns solidarisiert. In der Woche vor der Räumung haben wir viel Besuch und Unterstützung bekommen, es wurde ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt und gehofft, wir könnten es doch noch schaffen zu bleiben.

Wir wollen euch einen Einblick geben, was im
und um das HaK los war und was bei uns geht.

Der Tag der Räumung im Überblick:

Die Absprache zwischen Stadtverwaltung und Trägerverein des HAK war folgende: Für 16:30 Uhr nachmittags war die offizielle Übergabe des Schlüssel vereinbart worden. Statt bis dahin zu warten begann der Abriss des Gebäudes früh morgens um 05:30 Uhr.

05:00 Erste Arbeiter erreichen das HaK
09:00 Beginn der aktiven Räumung
11:30 Das Gebäude ist geräumt
12:00 Spontandemo
16:30 Schlüsselübergabe – massive Polizeigewalt am Rathaus
danach Spontandemo durch die Innenstadt zum Rathaus
18:30 Jugendliche werden aus Ausschusssitzung ausgesperrt
dort: Konzert mit Johnny Mauser

05:30 Uhr morgens am HAK: Abrissunternehmen, Bullen, Räumung

Der einstige Vorsitzende des HaK-Beirats teilte uns schon vor Jahren mit, der Bürgermeister und Teile der Stadtvertretung würden ein „falsches verlogenes Spiel“ mit uns treiben… So war es nun (wieder einmal) auch am Morgen des 01. November: Anders als erwartet begann der Abriss des HAK früh morgens um 05:30 Uhr. In dem Gebäude befanden sich zu dem Zeitpunkt sowohl diverse Wertgegenstände als auch mehrere Personen. Einige haben sich spontan den Ausspruch „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ zu Herzen genommen und sich entschieden friedlich in dem Gebäude zu verweilen. Der Abrissleiter informierte die Polizei. Da eines der Treppenhäuser nicht mehr vorhanden war und es den Arbeitern und der Polizei nicht gelang die Stahltür in den oberen Stock aufzubrechen, wurde zunächst ein Baugerüst aufgestellt, die Dachpfannen abgedeckt und dann Teile des Dachstuhls entfernt, um in das Obergeschoss zu gelangen. Nach fünfeineinhalb Stunden wurde die letzte Person von der Polizei vor die Tür gebracht. Es wurde von einem sehr brutalen, unbesonnenen Vorgehen der Polizist_innen berichtet. Obwohl die Personen friedlich im Kreis saßen wurden sie mit Schlagstöcken attackiert. Eine Person wurde an den Haaren über den mit Scherben übersäten Boden geschliffen und ein anderer friedlicher Aktivist mit Tritten die Treppe herunter getrieben. Ein Schüler, der lediglich im Garten des Hauses saß, wurde von der Polizei attackiert und in Gewahrsam genommen.

Sowohl die Gerüstfirma als auch das Abrissunternehmen beteiligten sich neben der Polizei aktiv an der Räumung des Gebäudes und beleidigten die anwesenden Jugendlichen. Einer der Angestellten des städtischen Dienstes war zum Entsetzen der Anwesenden mit der bekannten Neo-Nazimarke „Thor Steinar“ bekleidet.

Zehn Minuten nachdem der Bürgermeister Dieter Schönfeld hämisch winkend an dem Gebäude vorbei fuhr, passierte ein bekannter NPD Funktionär in seinem Wagen das Geschehen. Ärger mit Nazis ist für das HaK leider nichts Neues; es gab bereits mehrere Anschläge gegen das Haus und auch direkte Angriffe auf Jugendliche (z.B. mit Stahlstangen, Baseballkeulen und Schusswaffen).

Mittags, nach der Räumung, startete eine zweistündige Spontandemo durch die Innenstadt bei der das Anliegen der HaK-Initiative viel Zuspruch fand.

Schlüsselübergabe:

Um 16 Uhr 30 sollte der Schlüssel der Stadt übergeben werden. Zwei Mitarbeiter_innen der Stadtverwaltung nahmen unter Polizeischutz den Schlüsselbund mit dutzenden alten, nutzlosen Schlüsseln entgegen. Es wurde ein Redebeitrag vorgelesen, als plötzlich die Polizei grundlos mehrere Demonstrant_innen attackierte. Die Vertreter_innen der Stadt Bad Segeberg befanden sich zu dem Zeitpunkt im Rathaus und haben sich die Knüppelszene durch die Glasfassade angeguckt. Beistehende Personen wurden mit Reizgas und Schlagstöcken attackiert. Dabei wurde eine Person mitgenommen und menschenunwürdig behandelt. Das schockierende und von Grund auf aggressive Verhalten der Polizei ist hierbei anzumerken. Demonstrant_innen, die wegen ihres zerstörten Jugendzentrums weinten, wurden ausgelacht. Eine Person wurde von Polizeibeamten gefragt, ob sie mal sein Pfefferspray riechen wolle. Es wurde seitens der Polizei mehrfach gegen Rechte verstoßen, indem Personen, die sich in Gewahrsam befanden, Anwälte, Telefonate und Auskünfte über Dienstnummern verweigert. Ein Demonstrant wurde von der Polizei hinter die Einsatzfahrzeuge geschleppt, bedroht, beleidigt und brutal verprügelt, wo andere ihn nicht mehr sahen und nur seine Hilferufe hören konnten.

„Öffentliche“ Sitzung der Stadtvertreter_innen:

Die am Abend stattfindende „öffentliche“ Ausschusssitzung wurde vom Bürgermeister als nicht öffentlich erklärt. Kurzerhand ließ er die Polizei kommen und die Jugendlichen aussperren. Einem Vertreter des Kinder- und Jugendbeirats wurde zunächst der Zutritt verweigert und beim Verlassen der Sitzung von einem Polizeibeamten bedroht. Nach einer erneuten Spontandemo durch die Innenstadt fand vor der Glasfassade des Bürgersaales ein Konzert von „Johnny Mauser“ statt. Er steht repräsentativ für die vielen Musiker_innen, die ihre ersten Konzerte im HaK hatten und motivierte die Anwesenden weiter zu machen. Es sei wichtig, weiterhin jungen Menschen einen Raum für Kunst, Kultur und Musik bieten zu können. Genau das hat das HaK immer getan.

Und wie geht’s weiter?

Unser Haus ist weg, unsere Tränen noch nicht getrocknet und unsere Wut noch immer da. Uns wurde unser Haus genommen, aber nicht die Kraft, die es schuf. Der soziale Zusammenhalt und das Engagement sind kämpferischer denn je!

Soziale Zentren erkämpfen und verteidigen!

Kommt am 1. Dezember nach Bad Segeberg und unterstützt
die Demo für ein selbstverwaltetes Jugendkulturzentrum!

Stay Rude – Stay Rebel – Stay HaK!

- Selbstverwaltete Jugend Bad Segeberg -

Ein Radiobeitrag des FSK
http://www.freie-radios.net/51887