Solidaritätserklärung des Inihauses in Bad Oldesloe

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den 90er Jahren war Bad Segeberg eine der Neonazi Hochburgen in Schleswig-Holstein. Diverse Neonazi Kader wohnten in und um Bad Segeberg. Migranten und alternative Jugendliche würden eingeschüchtert und angegriffen. Es kam zu Demonstrationen, Kundgebungen und auch der 20. April wurde mit bis zu 100 Neonazis gefeiert.

Mittlerweile gibt es immer noch einige Neonazis in und um Bad Segeberg, aber kaum organisiert und wenig aktiv. Das Hotel am Kalkberg spielte bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle. Durch die klare Positionierung des HaK´s und diverse Aktionen gegen Neonazis wurden sie immer weiter aus dem öffentlichen Raum gedrängt, sind ausgestiegen oder weggezogen. Auch die Rechtsradikale NPD weiß um den wichtigen Faktor eines Autonomen Jugendzentrums und versucht seit Jahren gegen das HaK zu hetzen. Dies zeigt sich auch wieder in der angemeldeten Kundgebung der NPD, die eindeutig als Provokation zu verstehen ist. Es zeigt sich ebenso wieder einmal das mangelnde Bewusstsein der Verantwortlichen der Stadtverwaltung, die jede argumentative Grundlage gehabt hätten, um die menschenverachtende Propaganda zu verhindern. Die Wichtigkeit des Hak´s und die dort politisch geleistete Arbeit wurde von den gewählten Politischen Parteien und dem Bürgermeister anscheinend komplett ausgeblendet, als über den ersatzlosen Abriss des Hotel am Kalkberg abgestimmt wurde.

Selbstverwaltung ist ein unglaublich wichtiger Faktor zur Politisierung und Förderung des kritischen Bewusstseins von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gegenüber ihrer Umwelt. Dementsprechend ist Selbstverwaltung eine der wenigen Möglichkeiten, wenn das Angebot besteht, für sich und andere Menschen Verantwortung zu übernehmen und das auch schon in jungen Jahren. Die Verwaltung eines Hauses ist für Jugendliche auf allen Ebenen förderlich.

Erschrocken und hilflos mussten wir seit Jahren die Geschehnisse rund ums HaK verfolgen. Innerhalb von wenigen Jahren wurde nun das zweite Autonome Jugendzentrum im Kreis Segeberg abgerissen. Wir als Nachbarn die sich in einem ähnlichen Projekt engagieren sind von dem Verhalten der Stadt und dem Bürgermeister tief enttäuscht. Über die letzten 10 Jahre hat sich die Stadt Bad Segeberg in der Kooperation mit alternativer Jugendkultur als absolutes Negativbeispiel herauskristallisiert. Die aktiven HaK´ler mussten immer wieder Rückschläge einstecken. Es kam zur negativen Vertragsänderung, Einschränkung der Öffnungszeiten und zur Begrenzung der Großveranstaltungen um nur ein paar Beispiele zu nennen. Somit wurde ihnen jede Freiheit und jegliche finanzielle Unabhängigkeit systematisch genommen. Nie wurde das ehrenamtliche Engagement, welches von fast allen Politikern durch die Parteien hinweg gefordert wird, akzeptiert geschweige denn geschätzt. Auch kulturell war das Hotel am Kalkberg eines der wichtigsten Autonomen Jugendzentren in Schleswig–Holstein, fast in keiner anderen Stadt gab es so viele unterschiedliche Angebote von Konzerten über Vorträge bis hin zu Straßentheater.

Nun haben wir den 1. Dezember 2012, das Hotel am Kalkberg wurde geräumt und ist abgerissen. Einen Ersatz gibt es nicht. Ein weiterer Raum für die Jugend ist verschwunden. Und diese Entwicklung scheint der Stadt Bad Segeberg durchaus Recht zu sein. Es gab keine Versuche das HAK zu unterstützen. Keine Versuche dem HAK entgegenzukommen. Nicht einmal ein Versuch Mitglieder des HAKs ernst zu nehmen und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Eine Politik nicht für, sondern gegen das HAK. Eine Politik gegen Freiräume. Eine Politik gegen die Jugend. Doch wie will sich eine Stadt entwickeln, wenn sie keinen Raum für Entwicklung lässt? Wie, wenn sie keinen Raum für die Jugend lässt? Wie will eine Stadt attraktiv auf junge Menschen und Familien mit Kindern wirken, wenn anscheinend eine der Hauptinteressen der Stadt darin besteht systematisch Räume für Jugendliche aus dem Stadtbild zu verdrängen? Wenn Jugendzentren durch Parkplätze ersetzt werden zeigt sich deutlich wo bei der Stadtentwicklung die Prioritäten liegen und wie das Engagement von Jugendlichen wertgeschätzt wird. Am Beispiel Bad Oldesloes sieht man, dass ein Kontakt von Jugendlichen und Stadtverwaltung auf Augenhöhe durchaus stattfinden kann. Probleme können ernst genommen und es kann konstruktiv nach Lösungen gesucht werden. Auch hier entstehen Probleme, aber man versucht wenigstens sie zu lösen. Im Vergleich dazu verschanzt sich Bad Segebergs Bürgermeister bei kritischen Fragen im Rathaus wie wir am 1. 11. erleben durften.

Jetzt bleibt nur noch eines zu sagen:

Für die Solidarität und das Recht auf eine
Jugendkultur, die sich frei entfalten kann.

Stay Rude!

Stay Rebel!

Stay Hak!