Archiv für Januar 2013

9 Tage hinter den Barrikaden

September 1986 in Kopenhagen. Ein seit 3 Jahren besetztes Haus soll von der Polizei geräumt und anschließend abgerissen werden. Die etwa 60 Bewohner des Hauses sind aber gut darauf vorbereitet: es werden Barrikaden gebaut, Steine und Molotovcocktails bereitgestellt und das ganze Viertel abgeriegelt. Die dort noch verbliebenen “Zivilisten” (das trifft es recht gut, denn die Besetzter tragen zum Großteil einheitliche Arbeitsmonturen, Sturmhauben und Helme) solidarisieren sich mit den Besetzern, und auch von außerhalb kommt Hilfe in Form von Essen, Geld und tatkräftiger Unterstützung beim Barrikadenbau. Ein Angebot das Haus zu kaufen und mit der Stadtverwaltung einen Deal zu machen schlägt der sozialdemokratische Bürgermeister aus, die Medien verbreiten üble Lügen über die Besetzer. Insgesamt 9 Tage kann die Polizei davon abgehalten werden das Viertel zu stürmen, dann erst sehen sich die Besetzer gezwungen den Widerstand aufzugeben.

Die ganze Zeit mit dabei war eine dänischen Dokumentationsgruppe, die während der neun Tage dauernden Verteidigung der Besetzung bei fast allen Aktionen und Alltagssituationen filmen konnte. Ihr gelang so ein Portrait des Lebens hinter den Barrikaden von den Leuten, die sich entschlossen hatten, das Haus militant zu verteidigen.

Topf & Söhne Erfurt – Besetzung auf Täterort

Lesung „Topf & Söhne – Besetzung auf einem Täterort“

»Wir, eine Gruppe politisch engagierter Menschen aus Erfurt, haben heute am 12. April um 9:00 Uhr das ehemalige Firmengelände des Nazi-Betriebs Topf & Söhne besetzt« – so begann die Pressemitteilung, mit der sich die Besetzer_innen 2001 an die Öffentlichkeit gewandt hatten.

Die Hausbesetzung auf dem ehemaligen Gelände der Erfurter Firma Topf & Söhne, die in der Zeit des Nationalsozialismus Krematoriumsöfen für Vernichtungslager hergestellt hatte, war in den 2000´er-Jahren eines der bekanntesten linksradikalen Projekte in Deutschland.

Auf über 10.000 Quadratmetern besetzter Industriebrache wurden acht Jahre lang eine ungeheure Breite von Projekten realisiert. Zu Beginn kamen diese noch weitgehend aus dem direkten Kreis der Besetzer_innen, aber im laufe der Zeit entfaltete sich auf dem Gelände ein dynamisches Netz von höchst unterschiedlichen Projekten und Einzelpersonen, die immer wieder neu ihre Position zueinander und zur Restwelt aushandelten. Die extreme Unterschiedlichkeit der Nutzer_innen hat zu Konflikten geführt, aber auch eine produktive Spannung aufgebaut, aus der Prozesse entstanden sind, die weder in einem reinen Punkerschuppen noch in einer studentischen Politgruppe möglich gewesen wären. Die Geschichte der Besetzung eines Täterorts endete mit der gewaltsamen Räumung des Projekts am 16. April 2009.

Es bleibt, wie es in einem der letzten Texte heißt, den Besetzer_innen des ehemaligen Topf & Söhne-Geländes für 2920 wunderbare, chaotische, streitsame und verrückte Tage zu danken und darauf hinzuweisen, dass die wechselhafte Geschichte von Hausbesetzungen in Erfurt seit 1989 vor allem eins beweist: Dass es immer wieder gelingt, kreativ und subversiv selbstverwaltete Räume zu erkämpfen. In diesem Sinne möchte dieses Buch weniger zur nostalgischen Rückschau verleiten als Mut machen für neue Besetzungen.

Bei den Veranstaltungen werden einige Autor_innen des Buches ausgewählte Texte vorstellen und einen Überblick über die Zeit der Besetzung und die Geschichte der Firma Topf & Söhne geben.

Bad Segeberg:

Donnerstag den 14.02.2013 in der Buchhandlung
Das Druckwerk um 19.30 Uhr in der Kurhausstr. 4

Kiel:

Samstag den 16.02.2013 in der Alten Meierei um 18.00 Uhr
im Hornheimer Weg 2. Anschließend ein Konzert und Vokö.

Squat your City!!!

10 Jahre HaK – Twinkle Company (26.11.2010)

Ein Video von unserer 10 Jahresfeier.

Ach, war das nicht schön?!!

03.02.2013: Freiraum-Plenum in Bad Oldesloe

Am Sonntag den 03. Februar 2013 gibt es wieder ein Freiraum-Plenum.

Wir treffen uns um 14.00 Uhr im Inihaus in Bad Oldesloe (Bibliothek).

Alle die in Freiräumen (alternativen Wohn- und Kulturprojekten) aktiv sind oder diese unterstützen wollen, sind herzlich willkommen!

Für eine andere Welt!

Widerstand. Hier der Zorn der Jugendlichen, dort die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, der Aufstand der vom System Ausgeschlossenen.

Nie zuvor war der Geist der Revolte so stark und so verbreitet. Allein im Jahr 2009 wurden weltweit 524 Aufstände gezählt, und fast ein Drittel davon fand in Europa statt. Alle Proteste werden von jungen Menschen getragen, die ihrem Unmut über die Globalisierung Luft machen wollen.”

Dokumentation auf Youtube in vier Teilen:

Ihr könnt uns nicht vernichten, denn wir sind ein Teil von Euch!

Viva la Revolución! Squat your City!

Für eine andere Welt!

Im neuen Jugendzentrum sollen HaK-Aktivisten und Unterstützer grundsätzlich ausgeschlossen werden

„Ich rate davon ab, den Anhängern des abgerissenen HaK in der Mühle Räume zu geben.“ Dieter Fiesinger, Kreisjugendpfleger

Die Ideallösung — Suchtprävention und Jugendzentrum unter einem Mühlen-Dach — ist vom Tisch. Eigentlich wollten Stadt und Ambulante Teilstationäre Suchthilfe (ATS) die alte Mühle an der Hamburger Straße gemeinsam in Beschlag nehmen. Die frühere Jugendbildungsstätte steht derzeit weitgehend leer. Allein 60 Prozent der Fläche benötigte die Suchtberatungsstelle, der Stadt reichte der Rest. Doch jetzt hat Möbel Kraft als Grundstückseigentümer selbst Bedarf angemeldet.

Kraft-Geschäftsführer Gunnar George erklärte auf Nachfrage, dass sein Unternehmen etwa 100 Quadratmeter für interne Schulungen benötige. Auch dem Jobcenter habe man Räume versprochen. Daher habe man der ATS absagen müssen. Für das Jugendzentrum gebe es aber noch reichlich Platz. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld will das Thema Jugend voranbringen. Etwa 40 Prozent der „Mühle“ würde die Stadt beanspruchen. Die zu zahlende Miete sei mit Kraft ausgehandelt. Bei der Preisgestaltung sei man Geschäftsführer George „entgegengekommen“, so Schönfeld. „Wir werden seine untere Schmerzgrenze den Politikern als Vorschlag vorlegen.“

Bad Segebergs neues Jugendzentrum, das den kleinen, unscheinbaren Jugendtreff neben der Schule am Seminarweg ablösen soll, sei geeignet, „die unterschiedlichen Strömungen an Jugendgruppen anzusprechen“. Es gebe so ein deutlich verbessertes Angebot für die Jugend. Mehr könne sich eine 16 000-Einwohnerstadt nicht leisten.

Ausdrücklich betonte Schönfeld, dass die HaK-Fans in der Mühle keinen Platz finden werden. Das seien ohnehin Erwachsene im Alter von 20 bis 30 Jahren. Das Jugendzentrum solle keine Szenekneipe werden, so Schönfeld. Er wolle auch kein Jugendhaus „zum Rum- und Abhängen“, sondern ein niedrigschwelliges Angebot mit Projekten und thematischer Orientierung. Schließlich werde das neue Angebot inklusive Personalkosten die Stadt jährlich 200 000 Euro kosten. Zu viel Steuergeld, um Jugendliche dort nur herumgammeln zu lassen, meint Schönfeld.

- Kleine Anmerung am Rande: Die Kosten für das HaK betrugen jährlich weniger als 5 % (ca. 6.000 bis 10.000 im Jahr ohne Großveranstaltungen) -

Fast untröstlich ist die Ambulante Teilstationäre Suchthilfe (ATS). „Das ist mehr als schade, dass sich das Mühle-Projekt nicht realisieren lässt“, bedauert ATS-Leiter Bodo Haßler. „Das Haus wäre für uns ideal gewesen. Wir müssen uns dringend verändern. Unsere jetzigen Räume in der Gartenstraße reichen nicht aus.“ Die Büros sind doppelt belegt, die Mitarbeiter arbeiten quasi im Schichtbetrieb. Haßler: „Wir brauchen 20 Büroräume und mindestens zwei Gruppenräume.“

Wolfgang Glombik (Lübecker Nachrichten)