Im neuen Jugendzentrum sollen HaK-Aktivisten und Unterstützer grundsätzlich ausgeschlossen werden

„Ich rate davon ab, den Anhängern des abgerissenen HaK in der Mühle Räume zu geben.“ Dieter Fiesinger, Kreisjugendpfleger

Die Ideallösung — Suchtprävention und Jugendzentrum unter einem Mühlen-Dach — ist vom Tisch. Eigentlich wollten Stadt und Ambulante Teilstationäre Suchthilfe (ATS) die alte Mühle an der Hamburger Straße gemeinsam in Beschlag nehmen. Die frühere Jugendbildungsstätte steht derzeit weitgehend leer. Allein 60 Prozent der Fläche benötigte die Suchtberatungsstelle, der Stadt reichte der Rest. Doch jetzt hat Möbel Kraft als Grundstückseigentümer selbst Bedarf angemeldet.

Kraft-Geschäftsführer Gunnar George erklärte auf Nachfrage, dass sein Unternehmen etwa 100 Quadratmeter für interne Schulungen benötige. Auch dem Jobcenter habe man Räume versprochen. Daher habe man der ATS absagen müssen. Für das Jugendzentrum gebe es aber noch reichlich Platz. Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld will das Thema Jugend voranbringen. Etwa 40 Prozent der „Mühle“ würde die Stadt beanspruchen. Die zu zahlende Miete sei mit Kraft ausgehandelt. Bei der Preisgestaltung sei man Geschäftsführer George „entgegengekommen“, so Schönfeld. „Wir werden seine untere Schmerzgrenze den Politikern als Vorschlag vorlegen.“

Bad Segebergs neues Jugendzentrum, das den kleinen, unscheinbaren Jugendtreff neben der Schule am Seminarweg ablösen soll, sei geeignet, „die unterschiedlichen Strömungen an Jugendgruppen anzusprechen“. Es gebe so ein deutlich verbessertes Angebot für die Jugend. Mehr könne sich eine 16 000-Einwohnerstadt nicht leisten.

Ausdrücklich betonte Schönfeld, dass die HaK-Fans in der Mühle keinen Platz finden werden. Das seien ohnehin Erwachsene im Alter von 20 bis 30 Jahren. Das Jugendzentrum solle keine Szenekneipe werden, so Schönfeld. Er wolle auch kein Jugendhaus „zum Rum- und Abhängen“, sondern ein niedrigschwelliges Angebot mit Projekten und thematischer Orientierung. Schließlich werde das neue Angebot inklusive Personalkosten die Stadt jährlich 200 000 Euro kosten. Zu viel Steuergeld, um Jugendliche dort nur herumgammeln zu lassen, meint Schönfeld.

- Kleine Anmerung am Rande: Die Kosten für das HaK betrugen jährlich weniger als 5 % (ca. 6.000 bis 10.000 im Jahr ohne Großveranstaltungen) -

Fast untröstlich ist die Ambulante Teilstationäre Suchthilfe (ATS). „Das ist mehr als schade, dass sich das Mühle-Projekt nicht realisieren lässt“, bedauert ATS-Leiter Bodo Haßler. „Das Haus wäre für uns ideal gewesen. Wir müssen uns dringend verändern. Unsere jetzigen Räume in der Gartenstraße reichen nicht aus.“ Die Büros sind doppelt belegt, die Mitarbeiter arbeiten quasi im Schichtbetrieb. Haßler: „Wir brauchen 20 Büroräume und mindestens zwei Gruppenräume.“

Wolfgang Glombik (Lübecker Nachrichten)