Bad Segeberg: Polizei-Einheiten aus Eutin spielen HaK-Räumung nach. SchülerInnen verängstigt.

In der Bad Segeberger Innenstadt
Große Aufregung um Polizei-Übung

Von Michael Stamp

„Polizei! Waffe runter! Auf den Boden! Auf den Boden!!!“ Hektisches Gebrüll hallte durch die Innenstadt, flankiert vom Splittern berstenden Glases und dumpfen Knallgeräuschen. Die verstörende Szenerie mitten in Bad Segeberg rief etliche besorgte Passanten und verängstigte Eltern auf den Plan. Doch es war lediglich eine Übung in der Alten Feuerwache.

Bad Segeberg. Die 1. Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Eutin übte an dem ausgedienten Feuerwachen-Gebäude mehrere Einsätze. Zunächst diente das Haus, das in den kommenden Tagen abgerissen wird, als angebliche Baustelle. Die Polizei hatte die fiktive Meldung erhalten, dass dort ein Bauarbeiter durchgedreht ist und auf seine Kollegen einsticht. Diese Rolle übernahm ein Polizeikollege. Später mimten drei Beamte ein paar Hausbesetzer, die aus dem früheren Jugendtreff herausgeholt werden müssen.

Die Einsatzwagen der Hundertschaft standen auf dem Möbel-Kraft-Parkplatz und wurden – je nach Szenario – an den Seminarweg gefahren. Dort sorgten die Männer für jede Menge Aufsehen.

Über eine Leiter kletterten sie auf das Dach (weil die Tür angeblich verbarrikadiert war), schlugen die Fenster ein und stiegen ins Gebäude. Mit einer Ramme wurden Dachziegel zerstoßen. Es krachte auch im Inneren – immer dann, wenn Türen aufgebrochen wurden. Dazwischen waren die dröhnenden Schreie der Polizisten in Richtung der „überwältigten“ Täter zu hören.

Die Polizei nutzt solche Abrissobjekte, um ohne Rücksicht auf Gebäudeschäden üben zu können. Die Alte Feuerwache war von dem Polizeibeamten Bernd Schulz-Christen, der in Bad Segeberg für seine Spenden-Aktionen bekannt ist, vermittelt worden. „Wir haben leider erst gestern erfahren, dass der Abriss unmittelbar bevorsteht“, sagte er. „Wir hatten nicht viel Zeit zum Vorbereiten.“ So eine Übung war auch schon am mittlerweile abgerissenen Hotel am Kalkberg (HaK) geplant, doch die ohnehin aufgeheizte Stimmung wäre durch solch eine Polizeiaktion noch explosiver geworden worden.


Foto: Einsatzkräfte aus Eutin übten am ehemaligen Jugendtreff „Feuerwache“ am Seminarweg das Entschärfen gefährlicher Situationen

Dafür ging es gestern in der Gemeinschaftsschule am Seminarweg hoch her. Rektorin Barbara Koop-Lehmann musste besorgte Eltern beruhigen, die von den maskierten Polizisten an der Schule gehört hatten und sich im Sekretariat meldeten. „Die Polizei hätte mir vorher gern einen kleinen Wink geben können“, sagte die hörbar angefressene Schulleiterin. „Das finde ich nicht richtig von der Polizei. Es war leider so geheim, dass niemand Bescheid gesagt hat.“ Glücklicherweise hätten die meisten Schüler nichts mitgekriegt. Ein paar Schüler begegneten aber den mit Helm und Visier ausgestatteten Beamten und schauten ihnen verstört hinterher.

Reichlich verärgert über die Übung an der Alten Feuerwache war Bauamtsleiterin Antje Langethal. „Das war meine erste Sorge, dass so etwas passiert. Mitten in der Stadt – das war so nicht gedacht.“ Ihr sei versichert worden, dass die Beamten nicht martialisch auftreten und nur versteckt im Inneren des Gebäudes üben, Türen aufzubrechen. „Sonst hätten wir natürlich die Schulen informiert.“ Angekündigt sei zudem das Wohnungsräumkommando gewesen – gekommen sind hingegen zwei Trupps, die für Aufklärung oder Festnahmen und Beweissicherung zuständig sind. „Wir helfen der Polizei gern“, betonte Antje Langethal. „Aber diese Situation war misslich.“ Sie kann Eltern, die beim Anblick von massiven Polizeikräften vor einer Schule in Aufregung geraten, bestens verstehen. Die Polizeibeamten selbst sahen die ganze Sache eher von der lockeren Seite: „Och, das war nur kurz mal ’ne Verspannung…“

Segeberger Zeitung vom 22.05.2013