Kein Ort ohne Jugendkulturzentrum!

Bad Segeberg – Möbelkraft, Karl May Festspiele, Gesundheitszentren und jede Menge Parkplätze für diese. Nach Ladenschluss werden die Bürgersteige hochgeklappt und jeder Hauch von Lebendigkeit hinter Sicherheitsglas eingesperrt. Dies ist das, anscheinend gewünschte, Stadtbild vieler Segeberger BürgerInnen. Doch eine teils unerforschte Randgruppe Bad Segebergs, beschrieben mit den Worten „ Jugendliche“ oder „junge Heranwachsende“ ist mit dieser Situation mehr als unzufrieden! Tatsächlich gab es mal eine Zeit in der sie gerne in dieser verschlafenen Kleinstadt gewohnt haben, eine Zeit, die bunt und lebhaft war. In dieser Zeit hatten sie einen Ort um sich selbst zu verwirklichen, Träumen nach zu spinnen, sich Lebenswünsche zu erfüllen und das Ganze selbst zu verwalten. Im ehemaligen Hotel am Kalkberg sind Ideen flügge geworden, viele haben hier ihre Berufswahl getroffen, sei es Zimmermann oder etwas im Sozialwesen. Musiker haben hier ihre ersten Auftritte gespielt, hin und wieder haben sich neue Bands gegründet. Es sind Freundschaften entstanden, die schon über ein Jahrzehnt halten.

Das einzige, was den Jugendlichen heute noch bleibt ist ihre Erinnerung an diese schönen Tage. Denn genau vor einem Monat, in den frühen Morgenstunden des 01.11.2012 wurde ihrem Haus der Garaus gemacht. Innerhalb eines einzigen Tages wurde das ehemalige Hotel am Fuße des Kalkberges abgerissen. Mit jedem Stein brach ein Herz, mit jeder Schippe Schutt zerplatzten tausende Träume wie Seifenblasen. Was zurückbleibt ist eine ebene Fläche( für noch mehr Parkplätze) und eine trauernde, wutentbrannte und frustrierte Gruppe junger Heranwachsender. Warum wollte man sie in dieser Stadt nicht haben? Die Erklärung ist einfach und ein weit verbreitetes Mittel einen Schandfleck zu vertreiben: „Die sind immer zu laut!“, hallt es über Städte und Dörfer in ganz Deutschland. Immer wieder sind es Kindergärten, Spielplätze, Jugendzentren, Skaterbahnen, Hundewiesen und sogar der in Segeberg beliebte, langjährige Wintergast Istvan mit seinem Akkordeon ist einfach zu laut. Alle wurden sie vertrieben, in der Regel bekam niemand Ersatz, obwohl dieser oft genug versprochen wurden und Istvan bekam eine Holzbank vor der Volksbank. Ein andauerndes Trauerspiel, das nur selten durchbrochen wird, weil die Gegenseite meist am längeren Hebel steht, ob nun rechtens ist oder nicht.

Unsere Randgruppe aus Segeberg möchte aber nicht in ihrem Käfig bleiben. Am 01.12.2012, einen Monat nach dem Abriss sind wir auf die Straße gegangen und haben Zähne gezeigt. Es wurde im großen Stil zur „Demonstration für ein neues selbstverwaltetes Jugendzentrum“ aufgerufen, befreundete Zentren aus dem Umland haben uns dabei unterstützt, haben gezeigt, dass wir nicht alleine sind und zwar auf bunte und friedliche Art. Da konnten uns auch die drei Hundertschaften Bundespolizei und die drei Wasserwerfer nicht von abhalten.

Also, denk immer dran;

STAY RUDE, STAY HAK, STAY REBEL!!!