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Kein Ort ohne Jugendkulturzentrum!

Bad Segeberg – Möbelkraft, Karl May Festspiele, Gesundheitszentren und jede Menge Parkplätze für diese. Nach Ladenschluss werden die Bürgersteige hochgeklappt und jeder Hauch von Lebendigkeit hinter Sicherheitsglas eingesperrt. Dies ist das, anscheinend gewünschte, Stadtbild vieler Segeberger BürgerInnen. Doch eine teils unerforschte Randgruppe Bad Segebergs, beschrieben mit den Worten „ Jugendliche“ oder „junge Heranwachsende“ ist mit dieser Situation mehr als unzufrieden! Tatsächlich gab es mal eine Zeit in der sie gerne in dieser verschlafenen Kleinstadt gewohnt haben, eine Zeit, die bunt und lebhaft war. In dieser Zeit hatten sie einen Ort um sich selbst zu verwirklichen, Träumen nach zu spinnen, sich Lebenswünsche zu erfüllen und das Ganze selbst zu verwalten. Im ehemaligen Hotel am Kalkberg sind Ideen flügge geworden, viele haben hier ihre Berufswahl getroffen, sei es Zimmermann oder etwas im Sozialwesen. Musiker haben hier ihre ersten Auftritte gespielt, hin und wieder haben sich neue Bands gegründet. Es sind Freundschaften entstanden, die schon über ein Jahrzehnt halten.

Das einzige, was den Jugendlichen heute noch bleibt ist ihre Erinnerung an diese schönen Tage. Denn genau vor einem Monat, in den frühen Morgenstunden des 01.11.2012 wurde ihrem Haus der Garaus gemacht. Innerhalb eines einzigen Tages wurde das ehemalige Hotel am Fuße des Kalkberges abgerissen. Mit jedem Stein brach ein Herz, mit jeder Schippe Schutt zerplatzten tausende Träume wie Seifenblasen. Was zurückbleibt ist eine ebene Fläche( für noch mehr Parkplätze) und eine trauernde, wutentbrannte und frustrierte Gruppe junger Heranwachsender. Warum wollte man sie in dieser Stadt nicht haben? Die Erklärung ist einfach und ein weit verbreitetes Mittel einen Schandfleck zu vertreiben: „Die sind immer zu laut!“, hallt es über Städte und Dörfer in ganz Deutschland. Immer wieder sind es Kindergärten, Spielplätze, Jugendzentren, Skaterbahnen, Hundewiesen und sogar der in Segeberg beliebte, langjährige Wintergast Istvan mit seinem Akkordeon ist einfach zu laut. Alle wurden sie vertrieben, in der Regel bekam niemand Ersatz, obwohl dieser oft genug versprochen wurden und Istvan bekam eine Holzbank vor der Volksbank. Ein andauerndes Trauerspiel, das nur selten durchbrochen wird, weil die Gegenseite meist am längeren Hebel steht, ob nun rechtens ist oder nicht.

Unsere Randgruppe aus Segeberg möchte aber nicht in ihrem Käfig bleiben. Am 01.12.2012, einen Monat nach dem Abriss sind wir auf die Straße gegangen und haben Zähne gezeigt. Es wurde im großen Stil zur „Demonstration für ein neues selbstverwaltetes Jugendzentrum“ aufgerufen, befreundete Zentren aus dem Umland haben uns dabei unterstützt, haben gezeigt, dass wir nicht alleine sind und zwar auf bunte und friedliche Art. Da konnten uns auch die drei Hundertschaften Bundespolizei und die drei Wasserwerfer nicht von abhalten.

Also, denk immer dran;

STAY RUDE, STAY HAK, STAY REBEL!!!

Schluss mit dem türkischen Staatsterrorismus – Solidarität mit den Protestierenden in der Türkei

Freiheit für alle politischen Gefangenen

Seit knapp 3 Wochen gingen unzählige Menschen auf die Straßen der Türkei, um gegen Unterdrückung und Repressionen zu kämpfen, wobei u.a. Forderungen nach Demokratie und den Rücktritt Tayyip Erdogans gestellt wurden. Es ist klar, dass seit den Widerständen, die im Gezi Park in Taksim begonnen haben, nichts mehr so sein wird wie es vorher war.

Durch die massiven Polizeiangriffe kippte Erdogan Öl ins Feuer der Widerstände, jedoch hat er es nicht geschafft die Menschen von den Straßen fernzuhalten. Während der Straßenkämpfe kam es zu vielen Schwerverletzten, dutzende Menschen haben Augen verloren, schwere Verbrennungen erlitten und bis heute kam es zu drei Todesopfern unter den Demonstranten.

Der Polizeiterror kann uns nicht aufhalten!

Heute morgen wurden Dutzende revolutionäre Sozialisten in Gewahrsam genommen, nachdem in 21 Bezirken Durchsuchungen in den Räumlichkeiten und Büros der sozialistischen Wochenzeitung ATILIM, der Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansi, des Radios Özgür Radyo, den Büros der Sozialistischen Partei der Unterdrückten ESP und vielen einzelnen Wohnungen stattfanden. Mit dem Vorwurf „an provokativen Aktionen teilgenommen zu haben und die Massen zur Gewalt verleitet zu haben“ stürmten Anti-Terror Einheiten um die 94 Räumlichkeiten. Unter den in Gewahrsam genommenen befindet sich auch ESP-Mitglied Ümit Akdag, der sich mit schweren Verbrennungen aufgrund eines gezielten Gasbombenwurfes im Gesicht noch immer in Behandlung befindet.

Bereits vergangene Woche begannen Repressionen des Staates in Form von Verhaftungen gegen Organisationen, wie gegen der SDP (Sozialistische Demokratische Partei) und der drohenden Schließung des demokratischen Fernsehsenders Hayat TV, der zu den einzigen unabhängigen Fernsehberichterstattern zählt.

Unsere Antwort WIDERSTAND!

Dass Erdogan auf die Widerstände und Straßenkämpfe mit noch mehr Repressionen und Operationen reagieren wird, ist kein Wunder. Seit Beginn der Proteste in der Türkei versuchte der türkische Staat mit Medienhetze und Manipulationen die Proteste zu delegitimieren, zu verfälschen und einen Keil zwischen die Widerstandleistenden zu treiben. Von Anfang an wurden Drohungen gegen die Demonstranten verbreitet und es wurde behauptet, dass „Marginale“ und „Terroristen“ hinter den Straßenkämpfen stecken würden. Mit vielen wirren Behauptungen und Vorwürfen versucht Erdogan die wahren Hintergründe des Taksim Widerstandes zu vertuschen und die Menschen zu beeinflussen. Es wird deutlich, dass sich Erdogan in die Ecke gedrängt sieht, weswegen er vor allem gegen die organisierten, revolutionären Kräfte vorgeht. Durch diese Angriffe und Operationen versucht der türkische Staat die Menschen einzuschüchtern und abzuschrecken.

Der Staatsterrorismus in der Türkei ist kein Geheimnis und heute ist unsere Solidarität hier in Europa, sowie überall auf der Welt von großer Bedeutung.

Wir dürfen nicht schweigen gegen die
Repressionen und Angriffe des türkischen Staates!

Wir sagen hier ist Taksim – Überall ist Taksim!

FREIHEIT FÜR DIE IN GEWAHRSAM
GENOMMENEN DES TAKSIM WIDERSTANDES!

FASIZME KARSI OMUZ OMUZA!

Bad Segeberg: Polizei-Einheiten aus Eutin spielen HaK-Räumung nach. SchülerInnen verängstigt.

In der Bad Segeberger Innenstadt
Große Aufregung um Polizei-Übung

Von Michael Stamp

„Polizei! Waffe runter! Auf den Boden! Auf den Boden!!!“ Hektisches Gebrüll hallte durch die Innenstadt, flankiert vom Splittern berstenden Glases und dumpfen Knallgeräuschen. Die verstörende Szenerie mitten in Bad Segeberg rief etliche besorgte Passanten und verängstigte Eltern auf den Plan. Doch es war lediglich eine Übung in der Alten Feuerwache.

Bad Segeberg. Die 1. Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Eutin übte an dem ausgedienten Feuerwachen-Gebäude mehrere Einsätze. Zunächst diente das Haus, das in den kommenden Tagen abgerissen wird, als angebliche Baustelle. Die Polizei hatte die fiktive Meldung erhalten, dass dort ein Bauarbeiter durchgedreht ist und auf seine Kollegen einsticht. Diese Rolle übernahm ein Polizeikollege. Später mimten drei Beamte ein paar Hausbesetzer, die aus dem früheren Jugendtreff herausgeholt werden müssen.

Die Einsatzwagen der Hundertschaft standen auf dem Möbel-Kraft-Parkplatz und wurden – je nach Szenario – an den Seminarweg gefahren. Dort sorgten die Männer für jede Menge Aufsehen.

Über eine Leiter kletterten sie auf das Dach (weil die Tür angeblich verbarrikadiert war), schlugen die Fenster ein und stiegen ins Gebäude. Mit einer Ramme wurden Dachziegel zerstoßen. Es krachte auch im Inneren – immer dann, wenn Türen aufgebrochen wurden. Dazwischen waren die dröhnenden Schreie der Polizisten in Richtung der „überwältigten“ Täter zu hören.

Die Polizei nutzt solche Abrissobjekte, um ohne Rücksicht auf Gebäudeschäden üben zu können. Die Alte Feuerwache war von dem Polizeibeamten Bernd Schulz-Christen, der in Bad Segeberg für seine Spenden-Aktionen bekannt ist, vermittelt worden. „Wir haben leider erst gestern erfahren, dass der Abriss unmittelbar bevorsteht“, sagte er. „Wir hatten nicht viel Zeit zum Vorbereiten.“ So eine Übung war auch schon am mittlerweile abgerissenen Hotel am Kalkberg (HaK) geplant, doch die ohnehin aufgeheizte Stimmung wäre durch solch eine Polizeiaktion noch explosiver geworden worden.


Foto: Einsatzkräfte aus Eutin übten am ehemaligen Jugendtreff „Feuerwache“ am Seminarweg das Entschärfen gefährlicher Situationen

Dafür ging es gestern in der Gemeinschaftsschule am Seminarweg hoch her. Rektorin Barbara Koop-Lehmann musste besorgte Eltern beruhigen, die von den maskierten Polizisten an der Schule gehört hatten und sich im Sekretariat meldeten. „Die Polizei hätte mir vorher gern einen kleinen Wink geben können“, sagte die hörbar angefressene Schulleiterin. „Das finde ich nicht richtig von der Polizei. Es war leider so geheim, dass niemand Bescheid gesagt hat.“ Glücklicherweise hätten die meisten Schüler nichts mitgekriegt. Ein paar Schüler begegneten aber den mit Helm und Visier ausgestatteten Beamten und schauten ihnen verstört hinterher.

Reichlich verärgert über die Übung an der Alten Feuerwache war Bauamtsleiterin Antje Langethal. „Das war meine erste Sorge, dass so etwas passiert. Mitten in der Stadt – das war so nicht gedacht.“ Ihr sei versichert worden, dass die Beamten nicht martialisch auftreten und nur versteckt im Inneren des Gebäudes üben, Türen aufzubrechen. „Sonst hätten wir natürlich die Schulen informiert.“ Angekündigt sei zudem das Wohnungsräumkommando gewesen – gekommen sind hingegen zwei Trupps, die für Aufklärung oder Festnahmen und Beweissicherung zuständig sind. „Wir helfen der Polizei gern“, betonte Antje Langethal. „Aber diese Situation war misslich.“ Sie kann Eltern, die beim Anblick von massiven Polizeikräften vor einer Schule in Aufregung geraten, bestens verstehen. Die Polizeibeamten selbst sahen die ganze Sache eher von der lockeren Seite: „Och, das war nur kurz mal ’ne Verspannung…“

Segeberger Zeitung vom 22.05.2013

Kampagne Demokratie wählen – Bunt statt braun! Bündnis gegen Rechts!

Gemeinsame Erklärung der Initiative „Segeberg bunt“
im „Segeberger Bündnis für Demokratie und Toleranz“

Mit Befremden haben wir die Aufregung um das Segeberger „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ zur Kenntnis genommen und nicht wenig gestaunt über den Theaterdonner von Mitgliedern, die wir seit Jahren bei den Bündnisterminen nicht einmal gesehen haben, ausgenommen Alexander Wagner. Interesse oder aktives Mitmachen war auch nicht bei den vom Bündnis initiierten Veranstaltungen zu beobachten, weder bei der angeregten Busfahrt nach Neuengamme, bei der Filmvorführung über Zeitzeugen, bei dem Bericht eines Bündnismitglieds über die Rechte Szene, noch bei der Auschwitzveranstaltung. Zu unserer Kampagne, die man ja kritisieren darf, haben wir folgendes zu erklären:

Die öffentliche Darstellung unserer Kampagne „Demokratie wählen …“ als Wahlboykott ist falsch. Denn wir fordern zum Wählen auf, sogar mit Datumsangabe. Mit jedem Wahlgang unterstützen Wähler/Innen die Demokratie. Das wissen wir. Darum fordern wir aber auch dazu auf, die derzeitigen Stadt-Parteien abzuwählen. Gemeint sind damit die Kandidaten der Rathaus-Parteien und nicht die Kandidaten für den Segeberger Kreistag. Was ist daran undemokratisch?

Die Kampagne „Demokratie wählen…“ nutzt keiner radikalen Partei. Denn es gibt keine radikale Partei in der Stadt Bad Segeberg. Die Kampagne „Demokratie wählen…“ nutzt in jedem Fall dem Nachdenken – über Demokratie + Toleranz in Bad Segeberg.

Mit großer Sorge beobachten wir die Entwicklung der Kreisstadt Bad Segeberg in den letzten Jahren. Aus einer ehemals netten Kleinstadt wird immer mehr eine großspurige Senioren-Residenz vor den Toren Hamburgs („Gesundheitsstandort“). Vor allem anderen hat uns das Vorgehen der Stadt gegen das Jugendkulturzentrum „HaK – Hotel am Kalkberg“ empört. Denn: „Wer ein Jugendzentrum schließt, schadet der Demokratie!“ (Sebastian Edathy, SPD, Vorsitzender vom NSU-Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag).

In Bad Segeberg wurde das Jugendkulturzentrum nicht nur geschlossen, sondern nach einer beispiellosen Hetzkampagne gegen die linke HaK-Jugend in eine Wüste verwandelt. Damit wurde nicht nur das Gebäude zerstört, sondern nachhaltig die alternative Jugendkulturszene in der Stadt vernichtet. Denn die hat dort nun keinen Ort, Platz oder (Frei)Raum mehr! Nicht allein die Jusos gründeten das Segeberger „Bündnis für Demokratie und Toleranz“. Mit-Initiator war auch das Jugendkulturzentrum „HaK – Hotel am Kalkberg“.

Die Kampagne „Demokratie wählen…“ will vor allem die linke HaK-Jugend motivieren, zur Wahl zu gehen. Auch wenn für sie derzeit keine der Stadt-Parteien wählbar sein dürfte. Denn welche dieser Parteien hat schon ein neues Jugendkulturzentrum wie das HaK im Programm oder eine neue Skateranlage?

Die Kampagne „Demokratie wählen…“ will aber auch ältere Wähler/Innen motivieren, zur Wahl zu gehen. Auch unter ihnen gibt es viele, die mit den Vorgängen in der Stadt und dem Verhalten der Stadt-Parteien unzufrieden sind. Auch diese Menschen haben eine Stimme, die zählt: „1 Eine Stimme für die Demokratie“ – selbst wenn sie ungültige Stimmzettel abgeben.

Bisher haben sich von den Stadt-Parteien nur die SPD und die Jusos zur Kampagne zu Wort gemeldet. Aber es gab noch eine Reaktion, indirekt: Erstmals beklagte ein Stadtvertreter öffentlich undemokratische Zustände im Rathaus. Jürgen Niemann vom BBS klagte über Alternativlosigkeit und wörtlich „Blindflug“, mit dem die Rathausfraktionen, Entscheidungen fällen müssten. Er beschrieb sogar den Versuch des Bürgermeisters, die Kompetenzen der Stadtvertretung zu beschneiden. Schade, dass die Einwohner/Innen der Stadt Segeberg das erst jetzt erfahren.

Die wichtigste Pflicht der Parteien im Parlament (Fraktionen) ist doch die Kontrolle der Regierung. In „nicht öffentlichen Sitzungen“ geht das nicht. Die wichtigste Aufgabe der Parteien ist, an der politischen Willens- und Meinungsbildung der Bevölkerung mitzuwirken. Wo waren da die Parteien der Stadt, als es ums „HaK“ ging?

Immerhin hat die Mütter-Initiative für den Erhalt eines Jugendkulturzentrums mehr als 1.800 Unterschriften gesammelt. Selbst wenn davon nur 1.300 gültig gewesen sein sollten, waren das annähernd 10 Prozent der Wähler/Innen. Auch diese Menschen rufen wir zur Wahl auf

Bei der Kommunalwahl 2013 in Bad Segeberg geht es auch um die Bürgermeisterwahl 2014. Wer die Biografie des derzeitigen Bürgermeisters kennt, weiß, dass er 18 Jahre lang unangefochten die Gemeinde Gettorf „regiert“ hat. Wir wollen mit einem „Denkzettel“ die Stadt-Parteien daran erinnern, dass sie zumindest einen(e) ebenbürtigen(e) Gegenkandidaten/In im nächsten Jahr aufstellen.

Wir glauben, dass mit dieser Kommunalwahl Weichen gestellt werden können – für mehr Demokratie und Toleranz in Bad Segeberg. Daran arbeiten wir konstruktiv. Demokratie ist „Macht auf Zeit“. Ein „Bündnis für Demokratie und Toleranz“, das eine Kampagne „Demokratie wählen …“ nicht mittragen kann, weil einzelne Bündnispartner davon politische Nachteile befürchten, ist seinen Namen nicht wert.

Wie erhoffen uns von der Kampagne „Demokratie wählen …“ eine höhere Wahlbeteiligung. Denn damit können die Wähler/Innen zeigen, dass ihnen die Demokratie vor Ort wichtiger ist als das Wohl einer Partei!

Helga Lenze, federführend für die Initiative
„Segeberg bunt“ im „Segeberger Bündnis für Demokratie und Toleranz“

TAZ-Artikel vom 06.05.2013

Alternativkultur – Jugend ohne Ort

Seitdem das selbst verwaltete Jugendzentrum „Hotel am Kalkberg“ abgerissen wurde, gibt es in Bad Segeberg keinen Platz mehr für alternative Jugendkultur.

von Hannes Lintschnig

Sie wollten ihr selbst verwaltetes Jugendzentrum in Bad Segeberg retten. Im November letzten Jahres verbarrikadierten sie sich im „Hotel am Kalkberg“ (HAK), dem einzigen selbst verwalteten Jugendzentrum der Stadt. Jetzt haben die sechs Aktivisten Post von der Staatsanwaltschaft aus Kiel bekommen und müssen mehrere hundert Euro Strafe für ihren Rettungsversuch zahlen.

„Amtsträgern mit Gewalt Widerstand geleistet zu haben“, heißt es in ihrem Strafbefehl. Einsatzkräfte der Polizei drangen damals durch das Dach des Gebäudes ein, um die Aktivisten einzeln herauszutragen. Dann rückten die Bagger an, um das HAK-Gebäude abzureißen.

Mit dem HAK ist den Jugendlichen in Bad Segeberg der letzte Ort genommen worden, an dem sie selbst das Sagen hatten. Auf dem Gelände des HAKs soll nun ein Parkplatz für Besucher einer Fledermausausstellung entstehen. Vor etwa drei Jahren musste schon eine Skaterbahn in Bad Segeberg einem Parkplatz weichen.

„Die Stadt hat seit Jahren systematisch versucht, uns zu vertreiben“, sagt Goothje Mommsen, die Vorsitzende des Trägerverein des Jugendzentrums HAK. Der Verein versucht momentan vor Gericht, eine Forderung der Stadt über knapp 10.000 Euro ausstehender Betriebskosten abzuwenden. Schaffen sie das nicht, muss wohl auch der Verein aufgelöst werden.

Ersatz für alternative Jugendkultur in Bad Segeberg wurde bisher nicht geschaffen. Dabei sind Angebote für Jugendliche schon länger Mangelware. Einer Studie eines unabhängigen Planungsbüros zu Folge wurde schon 2009 das Freizeit und Kulturangebot für jüngere Zielgruppen in Bad Segeberg als nicht ausreichend bewertet.

Kirsten Tödt (SPD) hat 2011 als einzige Stadtvertreterin nicht für die Räumung und den Abriss des HAK gestimmt. „Es ging nicht darum, einen alternativen Standort für das HAK zu finden. Es ging darum, das HAK platt zu machen“, sagt Tödt. Das HAK habe vielen einfach nicht gepasst, das Äußere der Jugendlichen sei einigen Stadtvertretern sauer aufgestoßen, es fand kaum Kommunikation statt.

Auch der 2008 eingeführte HAK-Beirat, in dem Jugendliche und Stadtvertreter saßen, führte nicht zu einer Einigung. „Auch wenn sich Vertreter des HAKs nicht immer konstruktiv beteiligt haben: Es war kein Gespräch, sondern ein Verhör“, sagt Tödt.

Das HAK sollte abgerissen werden, weil „es heruntergewirtschaftet ist“, sagte Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) im Januar 2011 der taz. Er warf den Jugendlichen „Vandalismus und Disziplinlosigkeit“ vor.

Die Argumente, die zum Abriss der Skate-Anlage führten, klingen ganz ähnlich: Anwohner fühlen sich durch Lärm belästigt, die Anlage wurde mit Fahrrädern befahren, die Nutzungszeiten wurden nicht eingehalten. Bis heute ist auch dafür kein Ersatz geschaffen worden, drei Jahre nach dem Abriss.

Spricht man mit der Jugendstadtpflegerin Elke Rindt über die Angebote für Jugendliche in Bad Segeberg, verweist sie auf das Jugendzentrum in der „Mühle“. Es schaffe Angebote für Zwölf- bis 18-Jährige, eine offene Kinder und Jugendarbeit mit Hilfe ausgebildeter Pädagogen. „Natürlich ohne Alkohol und Nikotin“, sagt Rindt.

Auf das Thema Selbstverwaltung ist Elke Rindt nicht gut zu sprechen. „Es wird kein selbst verwaltetes Jugendzentrum in der Mühle geben“, stellt Rindt klar. „Autorität heißt ja nicht, dass eine Person das Sagen hat. Es gibt einfach Regeln, die jeder befolgen muss, wenn er in das Haus will.“

In der Mühle wird also kein Platz für HAK-Mitglieder sein, das Interesse ist allerdings auch nicht besonders groß. „Wir sind zu alt für dieses Jugendzentrum und das Konzept passt nicht zu unseren Vorstellungen“, sagt Goothje Mommsen.

Trotz fehlender Gebäude für das HAK findet zweimal im Monat ein Plenum statt. „Ohne eigenes Haus und finanzielle Rücklagen ist es natürlich nicht das Gleiche“, sagt HAK-Mitglied Tim Sünram. „Trotzdem, wir veranstalten mit befreundeten Jugendzentren Solipartys und werden natürlich weiter machen, wenn sich Möglichkeiten ergeben“, so Sünram.

Sind solche neuen Möglichkeiten denkbar? Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) war zu einer Stellungnahme zum Thema Jugendkultur in Bad Segeberg nicht zu erreichen.

- Link zum Artikel

25.05.2013: Rap für den Berg fällt aus!

Wir haben gerade erfahren dass die Veranstaltung „Rap für den Berg“
am 25. Mai 2013 im Inihaus in Bad Oldesloe leider ausfällt.

Wir hoffen sie ggf irgendwann nachzuholen!

25.05.2013: 30 Geburtstag, 20 Jahre Punkrock

Am 25. Mai diesen Jahres feiere ich meinen 30 Geburtstag und mein 20 jähriges Punkdasein. Aus diesem Grunde lade ich Euch alle herzlich ein, dieses „Ereignis“ gebührend mit mir zu feiern. Für Getränke und Live-Musik ist gesorgt.

Es spielen:

- Labskaus (Punk´n´Roll aus Hamburg)
- KRACH (Punk aus Bad Segeberg)
- Dirty Mind (Punk, Metal, Hardcore, Rock´n´Roll aus Bad Segeberg)
- Sowie eine Überraschungs-Band (??? aus Hamburg)

Wo denn?

- Wagenplatz Rondenbarg, Rondenbarg 22, 22525 Hamburg

Wann denn?

- ab 19.30 Uhr

Lasst uns auf die alten Tage mal wieder so richtig abpunken!

Euer Großvater^^

08.05.2013: Nächstes HaK-Plenum im JAM

Das nächste HaK-Plenum wird von Mittwoch dem 01. Mai auf Mittwoch den 08. Mai verschoben und findet wie gewohnt um 18.30 Uhr im Jugendcafe` am Markt (JAM) in Bad Segeberg statt. Wer gerne vorbei kommen möchte, ist herzlich willkommen!

Das darauf folgende HaK-Plenum findet wie gewohnt am 3. Mittwoch
des Monats (15.05.) im Jugendcafe´am Markt um 18.30 Uhr statt!

Nichts zu holen: Gericht lehnt Antrag des HaK-Trägervereins auf Insolvenz ab

Vermögen des Bad Segeberger Vereins würde nicht einmal ausreichen, um die Kosten des Verfahrens zu decken

Bad Segeberg. Sollte die Stadt Bad Segeberg noch Hoffnungen gehegt haben, vom Trägerverein des ehemaligen Jugendzentrums Hotel am Kalkberg (HaK) nicht bezahlte Nebenkosten einklagen zu können, dann dürften die sich jetzt wohl erledigt haben. Das Amtsgericht Norderstedt hat den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgelehnt, weil die Finanzmittel des Vereins nicht einmal ausreichen würden, um dessen Kosten zu decken.

Von Thorsten Beck

Der Wahlstedter Rechtsanwalt Ulrich von Coler, der die „Interessengemeinschaft selbstverwalteter Jugend Bad Segeberg e.V. (so der offizielle Name) schon seit Jahren rechtlich vertritt und durch mehrere Prozesse zunächst vor dem Bad Segeberger Amts- und zuletzt vor dem Kieler Landgericht begleitete, war ihr auch bei diesem Schritt behilflich. Doch mit dem Beschluss des Gerichts, das damit auch die zunächst angeordnete Bestellung eines Gutachters aufgehoben hat, steht für die Stadt Bad Segeberg als Eigentümerin des im November abgerissenen Gebäudes an der Lübecker Straße fest: Bei dem Verein, der das Jugendzentrum in Eigenregie verwaltet hatte, ist absolut nichts mehr zu holen.

Wirklich überraschend kommt diese Feststellung für Bürgermeister Dieter Schönfeld letztlich nicht: „Ich sehe keine Chance, dass wir noch an unser Geld kommen“, sagte er der Segeberger Zeitung. Derzeit sei allerdings vor dem Landgericht in Kiel noch eine Klage anhängig, in der es um noch ausstehende Betriebskosten in Höhe von rund 10.000 Euro geht – plus etwa 3.000 Euro, die die Stadt für das durch mehrere Instanzen getragene Verfahren aufbringen muss und ebenfalls gern erstattet hätte. Wegen des angekündigten Insolvenzantrags hatte die Stadt den Prozess zunächst ruhen lassen.

Wie es weitergeht, wird die Politik entscheiden müssen. Eigentlich hätte die Stadt als Gläubigerin prüfen müssen, ob sich der Verein möglicherweise der Insolvenzverschleppung oder sogar des Betrugs schuldig gemacht hat, weil der Vorstand offenbar niemals wirklich die Absicht gehabt habe, die Rechnungen zu begleichen, wie Schönfeld noch im Februar meinte. Denn das deutsche Vereinsrecht nimmt einen Vorstand persönlich in Haftung, wenn er die Stellung eines Insolvenzantrages verzögert, obwohl der Verein längst zahlungsunfähig oder hoffnungslos überschuldet ist.

Nun sieht der Bürgermeister die Interessengemeinschaft zumindest in der Pflicht, sich selbst zu liquidieren. Denn der Gerichtsbeschluss, das Verfahren mangels Masse gar nicht erst zu eröffnen, muss von Amts wegen im Register eingetragen werden. So oder so: Nach dem Jugendzentrum selbst ist auch der Trägerverein nun Geschichte.

Interessant, vor allem vor dem Hintergrund der monatelangen , oft hitzigen Diskussion um einen Treffpunkt für die Bad Segeberger Jugend, ist die namentliche Auflistung der Vorstandsmitglieder, die den Verein vor Gericht vertreten haben. Keine der drei Personen wohnt in Bad Segeberg: Sie kommen aus Rickling, Klein Rönnau und Klein Gladebrügge.

Quelle: Segeberger Zeitung, 10.04.2013

Hotel am Kalkberg steht auf Roter Liste

Von Deutsche Presse-Agentur dpa | 31.03.2013

Für seltene Vögel und gefährdete Pflanzen ist es seit Jahrzehnten selbstverständlich: Sie werden durch eine Rote Liste geschützt. Der Deutsche Kulturrat will so auch Theater und Museen, Jugendzentren und Bibliotheken vor der Schließung bewahren. Auf der Liste findet sich unter anderem das im November 2012 abgerissene Hotel am Kalkberg (HaK) in Bad Segeberg.

Berlin/Bad Segeberg. Die Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen in Deutschland kann nach Ansicht der Initiatoren viele Museen, Bibliotheken oder Bühnen vor dem Aus retten. «Unser Ziel ist es, den Verantwortlichen bewusst zu machen, wie wichtig diese Einrichtungen gerade für die Menschen in der Region sind», sagte Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats. «Weil niemand gern auf so einer Liste steht, fängt oft schon bei den Vorgesprächen die Rettung der Institution an.»

Der Deutsche Kulturrat, Dachorganisation von mehr als 200 Bundeskulturverbänden, hat vor knapp einem Jahr die Rote Liste gestartet. «Ähnlich wie bei den Roten Listen bedrohter Tier- oder Pflanzenarten stellen wir Kultureinrichtungen vor, die von Schließung bedroht oder gefährdet sind», so Zimmermann. «Die konkreten Beispiele machen die Auswirkungen der Sparpolitik sehr viel deutlicher, als wenn die Menschen nur trockene Zahlen lesen.» Auf der Liste stehen etwa das Archiv der Jugendkulturen in Berlin, das Frauenmusikzentrum in Hamburg, das Hotel am Kalkberg in Bad Segeberg und die Stadtbibliothek Essen.

Die meisten Meldungen kommen von den bedrohten Institutionen selbst. Der Kulturrat prüft dann die Sachlage und entscheidet entsprechend seiner fünf Kategorien über die Aufnahme in die Liste. Es geht von «Geschlossen» über «Von Schließung bedroht» bis zu «Gefährdung aufgehoben». Alle zwei Monate wird die Situation neu überprüft. «Wir bekommen sehr viele Institutionen genannt und könnten viel mehr aufnehmen. Aber wir wollen immer nur beispielhaft einige vorstellen, um den Handlungsbedarf deutlich zu machen. Es soll ja nicht eine reine Klagemauer werden.»

Für die kommenden Jahre befürchtet der Kulturrat einen weiter wachsenden Druck vor allem auf kommunale Einrichtungen. «Städte und Gemeinden sind diejenigen, bei denen die allgemeine Sparpolitik die prekärsten Auswirkungen hat. Weil die Kulturförderung zu den freiwilligen Leistungen gehört, wird hier in der Not am ehesten der Rotstift angesetzt», so der Geschäftsführer. «Um das Problem grundsätzlich zu lösen, wäre eine ganz neue Art von Finanzzuweisungen an die Kommunen nötig.»

Bei den Kultureinrichtungen in der Obhut des Bundes sieht Zimmermann die geringste Gefahr. Der Bund hat in den letzten Jahren seinen Etat kontinuierlich leicht erhöht. Bei den Bundesländern sei die Lage dagegen recht unterschiedlich. «Bayern und Baden-Württemberg etwa gehören noch zu den Ländern, die keine so großen Probleme haben. In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in Schleswig-Holstein und dem Saarland ist die Lage sehr angespannt», so Zimmermann. «Wir hoffen, dass hier auch die Rote Liste zumindest einen Bewusstseinsprozess anregt.»Die Rote Liste können Sie mit einem Klick hier einsehen.

Quelle: Kieler Nachrichten